Rettungshundestaffel Neuenburg e.V. im DRV

Flächensuche, Mantrailing





Artikel in der Badischen Zeitung vom 29.6.2019

Der lange Weg zum Rettungshund


Von Susanne Ehmann

Sa, 29. Juni 2019

Neuenburg   
      Die Rettungshundestaffel Neuenburg ist noch nicht einsatzfähig, will es aber eines Tages sein / Wie läuft so etwas ab? / Irritationen über Eigendarstellung des Vereins.

  •     Ein Hund der Rettungshundestaffel Neuenburg beim Training, das zweimal wöchentlich an unterschiedlichen Orten stattfindet, damit die Tiere diese nicht kennen.  Foto: rettungshundestaffel neuenburg












  NEUENBURG AM RHEIN. Seit zweieinhalb Jahren gibt es den Verein Rettungshundestaffel Neuenburg. Die Staffel befindet sich im Aufbau, einsatzfähig ist sie – noch – nicht. Doch genau über diesen Punkt scheint es in Neuenburg Irritationen zu geben. Das habe der Verein anders dargestellt, lautet ein Vorwurf, der an die BZ herangetragen wurde. Das stimmt nicht, sagt nicht nur der Verein. Doch wann ist eine Rettungshundestaffel überhaupt einsatzfähig? Und geht sie dann auch zwangsläufig auf Einsätze?   




Am Anfang stand der Gedanke: Was mache ich Sinnvolles mit meinem Hund, das auch anderen hilft? Rettungshundestaffeln der Malteser, des DRK und des Bundesverbands Rettungshunde (BRH) gibt es in Lörrach und Freiburg: In Neuenburg selbst war keine Rettungshundestaffel angesiedelt. "Warum nicht die Lücke füllen?" So schildert Elke Wohlgezogen die Entstehungsgeschichte der Rettungshundestaffel Neuenburg.

Am 7. Dezember 2016 wurde der Verein gegründet – und die Mitglieder begannen mit dem Training. Heute hat der Verein etwa neun aktive und zehn passive Mitglieder, mit sechs Hunden wird gearbeitet, zweimal wöchentlich ist Training. Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Als Dachverband hat sich die Rettungshundestaffel Neuenburg den Deutschen Rettungshundeverein (DRV) ausgesucht, der auch in Freiburg eine Staffel hat. Fertig ist noch kein Rettungshundeteam. Menschen und Hunde sind noch in der Ausbildung, sie haben bei Null angefangen, und bis zur Einsatzfähigkeit ist es ein weiter Weg. Hinzu kommt, dass die Hunde laut Wohlgezogen größtenteils aus dem Tierheim oder von Tierschutzorganisationen kommen. "Die meisten haben eine Vorgeschichte, und die muss man mit berücksichtigen. Und das verzögert alles ein bisschen."

Von Anfang an sei allen klar gewesen, dass so eine Neugründung einer Rettungshundestaffel lange dauert, mindestens drei Jahre. Nun dauert es noch ein wenig länger. Doch man wolle die Hunde lieber langsam, aber sorgfältig vorbereiten, sagt Wohlgezogen.





Dass sie nicht einsatzfähig sind, daraus habe der Verein nie einen Hehl gemacht, widersprechen sie Gerüchten, die die BZ erreichten und nach denen die Rettungshundestaffel Neuenburg sich als einsatzfähig darstellte, obwohl sie es nicht ist. Etwa bei der Stadt Neuenburg.

Hunde und Menschen müssen diverse Prüfungen absolvieren

Dort ist die Staffel vorstellig geworden. Sie informierte darüber, dass es sie gibt, aber laut Wohlgezogen auch, dass sie sich noch im Aufbau befindet. Andreas Grozinger, stellvertretender Kreisbrandmeister und bei der Stadt unter anderem für das Feuerwehrwesen zuständig, bestätigt das – er war bei dem Gespräch dabei.

Wie die meisten Vereine lebt auch die Rettungshundestaffel Neuenburg von Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Sponsoring. Denn Ausrüstung und Ausbildung – Einsatzkleidung, Lehrgänge, Prüfungsgebühr – kosten Geld. Vorsitzende Elke Wohlgezogen und ihre Stellvertreterin Larissa Lappan sind Traineranwärterinnen, und die Hunde müssen mehrere Prüfungen bestehen, die sie am Ende als Rettungshund qualifizieren. Je nachdem, bei welchem Dachverband eine Rettungshundestaffel angegliedert ist, unterscheiden sich Ausbildung und Prüfungsordnung in einigen Details geringfügig, vieles ist aber gleich und standardisiert.

Beim DRK etwa dauert eine Ausbildung zum Rettungshund zwei bis vier Jahre, erklärt Maria Moreno, Fachberaterin Fläche im Bereich Rettungshunde im Badischen Landesverband des DRK und Mitglied der Freiburger DRK-Rettungshundestaffel. In dieser Zeit arbeiten Mensch und Hund eng miteinander. Am Ende wird die Rettungshundeprüfung abgelegt. Beim DRK, beim DRV und auch bei anderen Hilfsorganisationen wird nach der Gemeinsamen Prüfungs- und Prüferordnung für Rettungshundeteams (gemPPO) geprüft. Bevor er aber in die Rettungshundeprüfung darf, muss der Hund einen Eignungstest absolvieren, erklärt Moreno. Dort muss er unter anderem beweisen, dass er nicht aggressiv oder ängstlich ist. Der DRV hat die gemPPO noch um Details wie etwa einen Wesens- zum Eignungstest ergänzt. Ist der Hund zur Rettungshundeprüfung zugelassen, muss er Prüfungen in einer bestimmten Sparte durchlaufen. Denn nicht jeder Hund kann am Ende alles. Abgelegt werden können Prüfungen in den Fachbereichen Trümmersuche, Flächensuche, Wasserrettung, Lawinensuche und Mantrailing, also das Aufspüren von Menschen. Auch der Hundeführer wird geprüft, zu Themen wie Erste Hilfe, Einsatztaktik, Funk.

Ist die Prüfung bestanden, sind Rettungshund und Hundeführer einsatzbereit. Automatisch in einen Einsatz gehen sie dann aber trotzdem nicht. Denn wenn etwas passiert, ist zunächst immer die Polizei zuständig, beispielsweise bei einem Vermisstenfall. Dass eine Vermisstensuche mit einer Rettungshundestaffel privat oder über eine Gemeinde angeleiert wird, ist nicht die Regel und auch nicht sinnvoll, heißt es dazu vom Polizeipräsidium Freiburg. Denn die Polizei hat die nötigen Mittel, solch einen Einsatz zu koordinieren. Wird ein Mensch vermisst, ermittelt die Polizei und plant wenn nötig auch eine Suche, so der Sprecher des Polizeipräsidiums. Dabei werden erst einmal die eigenen Kräfte hinzugezogen, denn auch die Polizei in Baden-Württemberg hat Personenspürhunde. Sie sind beim Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen angesiedelt. Nur bei Bedarf ruft die Polizei andere sogenannte BOS, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben wie Feuerwehr oder Hilfsdienste, hinzu. Dann nämlich, wenn der Suchbereich für die eigenen Kräfte zu weiträumig ist oder eigene Einsatzmittel gerade nicht zur Verfügung stehen. In diesem Fall bittet die Polizei um Unterstützung bei der jeweils örtlich zuständigen Leitstelle. Je nach Gebiet und Alarmplan der organisierten Rettungshundestaffeln in Baden-Württemberg wird dann entschieden, welche Staffeln alarmiert werden.

Staffeln entscheiden selbst, wer den Einsatz übernimmt

Hier in der Region ist dafür die Integrierte Leitstelle Freiburg-Breisgau Hochschwarzwald zuständig. Man alarmiere immer alle zuständigen Staffeln, diese entscheiden dann untereinander, wer den Einsatz übernimmt, erklärt ein Sprecher. Rettungshundestaffeln arbeiten ehrenamtlich. Sollte eine neue Staffel hinzukommen, heißt es weiter, müssen sie sich auf den Alarmplan setzen lassen und werden dann von der Leitstelle ebenfalls alarmiert. Der DRV steht dort bisher nicht auf der Liste. Daher werde dieser von der Integrierten Leitstelle Freiburg-Breis- gau-Hochschwarzwald auch nicht alarmiert.

Die Mitglieder der Rettungshundestaffel Neuenburg wissen das. Aber sie hoffen darauf, dass sich die Situation ändert und der Alarmierungsplan neu gestaltet wird. Dabei wollen sie niemandem etwas wegnehmen, betonen sie. Sie sehen sich als Unterstützung für andere Staffeln, wollen mit diesen kooperieren. "Es geht darum, Menschenleben zu retten", sagt die erste Vorsitzende. Ihr nächster Schritt ist aber erst einmal die Einsatzfähigkeit. Und darauf wird mit Begeisterung hingearbeitet. 





Am 16. 11. 2019 richteten wir für fünf Hundeteams einen Eignungs- und Wesenstest aus. Alle Teams haben bestanden, wir gratulieren herzlich!